Stadtratsbeschluss vor einem Jahr – Urnen-Begräbnisstätte in St. Augustin stockt

Weiden. (ca) Zumindest sie ist noch da. Dorothea Lentner, einst die „gute Seele“ des Augustiner-Seminars, jetzt Sekretärin der Zentralen Technik des Klinikums. Sie hat viele neue Kollegen bekommen. Ein Teil der Klinikumsverwaltung ist in das ehemalige Knabeninternat umgezogen. Das „Semi“ füllt sich mit Leben. Die benachbarte Kirche St. Augustin nicht. Dorothea Lentner sperrt die Kirchentür auf, klappt die Lichtschalter um. So wie früher der Mesner.

Kalt und kahl ist es in St. Augustin, trotz der Festbeleuchtung, die Dorothea Lentner den Besuchern verschafft hat. Seit anderthalb Jahren steht die Kirche leer. Der Kreuzweg ist abgehängt. Jesus auf seinem Leidensweg hat Schatten an den Wänden hinterlassen. Keine Kerzen, keine Blumen mehr, keine Heiligenstatuen. So sieht es aus, wenn eine Kirche profaniert ist. Traurig.

„Sehr kostspielig“

Was wird aus St. Augustin? Die Kliniken Nordoberpfalz AG ist Besitzer und hat zumindest für das Seitenschiff – die Rita-Kapelle – eine ansprechende Lösung gefunden. Das Seitenschiff wird abgetrennt und zur Aussegnungshalle umfunktioniert. Bisher fand sich diese im Keller des Klinikums. Das Hauptschiff hat die Kliniken AG der Stadt Weiden angeboten. Auf Antrag der SPD sollte dort ein Kolumbarium errichtet werden, eine Urnenbegräbnisstätte. Im Februar 2011 hat sich der Stadtrat einstimmig dafür ausgesprochen.

Und jetzt, fast ein Jahr später? Die Kosten scheinen ein Problem zu sein. Baudezernent Hansjörg Bohm bestätigt „den Verdacht, dass diese Sache sehr kostspielig würde und dann dafür Urnen-Tarife verlangt werden müssten, die bisher auf unseren Friedhöfen nicht geläufig sind“.

Das bedeute nicht automatisch das Aus für ein Kolumbarium in St. Augustin. „Wir prüfen derzeit mit spitzem Stift.“ Selbst bei einer niedrigen Pachtzahlung an das Klinikum müssten die Kirche umgebaut und Urnenwände eingebaut werden. „Außerdem müssten wir das Gebäude unterhalten, und diesen Unterhalt müssten wir reinverdienen.“ In Weiden sieht er nicht unbedingt ausreichend Klientel, die für Luxus-Urnenplätze tief in die Tasche greifen.

Außerdem besteht eigentlich kein Bedarf. Laut einer Stellungnahme des Bauverwaltungsamtes vom Dezember 2010 gibt es auf den städtischen Friedhöfen „sowohl genügend spezielle Erdgräber für Urnen (650) als auch Urnennischen in Urnenmauern (912 für je zwei Urnen)“. Darüber hinaus würde ein Kolumbarium „zu einer Erhöhung der Gebühren für die Benutzung der städtischen Bestattungseinrichtungen führen, weil Bau- und Sachkosten in die Gebührenbedarfsberechnung einfließen“. Übersetzt: Ein Kolumbarium in St. Augustin erhöht die Friedhofsgebühren für alle Weidener. Die Wirklichkeit holt den Wunsch nach einer würdigen Zukunft für St. Augustin ein.

Poltern auf der Empore. Thomas Otto legt den Mantel ab. 40 Jahre war er Organist in St. Augustin. Ob die Kälte der Orgel schadet? „Es schadet der Orgel mehr, wenn sie lange nicht gespielt wird.“ Da kann Otto abhelfen. „Vorsicht, es wird laut“, warnt er noch. Dann greift er in die Tasten, tritt in die Pedale. Bach-Präludien tosen durch die Kirche. Wunderbar.

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